Kommentar zum Tode von Jassir Arafat


Andreas Friedrich
Düsseldorf, 11.11.2004
Kronprinzenstrasse 25
40217 Düsseldorf
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Kommentar zum Tode von Jassir Arafat





Jassir Arafat ist tot!
Für viele war Arafat ein Terrorist, eine Person, die den Staat Israel grundsätzlich ablehnt und korrupt ist.
Diverse Stationen im Leben des Jassir Arafat, der 1929 in Kairo geboren wurde, geben allerdings ein anderes Bild als das eines Terroristen wider.
1959 gründete Arafat in Kuwait die Fatah, 1964 die PLO.
Unvergessen sein Auftritt am 13.11.1974 vor der UN-Generalversammlung: Arafat hielt dort eine Rede- mit umgeschnalltem Pistolenhalfter.
Die Höhepunkte in Arafats Leben waren sicher der 13.September 1993: Der historische Handschlag mit Jizchak Rabin und vor allem der Dezember Jahr 1994:
Arafat erhält gemeinsam mit Rabin und Schimon Peres den Friedensnobelpreis.

Von 2001 bis zum 29.Oktober 2004 stand Jassir Arafat in seinem im Jahr 2002 von der israelischen Armee fast völlig zerstörtem Hauptsitz, die Mukatta, unter Hausarrest, da Israel ihn- Arafat- für zahlreiche Selbstmordattentate verantwortlich machte.
Am 29.Oktober 2004 wird Arafat nach einem Zusammenbruch zur Behandlung in ein Militärkrankenhaus nach Paris gebracht, wo er am Morgen des 11.11.2004 um 3:30 Uhr MEZ verstarb.

Arafat hinterlässt nicht nur für das palästinensische Volk eine große Lücke, sie identifizierten sich mit Arafat, solidarisierten sich mit ihm aber sahen Arafat vor allem als ihren Vater an, der aus Überzeugung für ein freies Palästina kämpft!

Doch wer soll diese Lücke schließen?
Potentielle Nachfolger gibt es viele.
Angefangen von Mahmud Abbas (Abu Mazen), Ahmed Kurei (Abu Ala), Rawhi Fatauh, Mahmud Zahkar, aber vor allem Marwan Barghouti.
Das Problem: Barghouti sitzt in israelischer Haft, verurteilt zu 5-mal lebenslänglich und eine Freilassung unmöglich!

Gute Karten für den Posten des neuen Präsidenten der Autonomiebehörde haben demnach tatsächlich Mahmud Abbas (der Vorsitzende des Zentralkomitees der PLO und Fatah), Ahmed Kurei (als Kabinettschef für die Tagespolitik zuständig und zudem Leiter der Sicherheitsdienste).
Für Abbas spricht zudem, das er bereits bei den Osloer Verhandlungen mit Israel und den USA kooperiert hat und als ranghöchstes Mitglied der Fatah offiziell nominiert werden kann.
Gegen Mahmud Abbas spricht vor allem seine mangelnde Akzeptanz beim palästinensischem Volk, zudem seine mangelnde Fähigkeit, die Massen zu mobilisieren, im Gegensatz zu Jassir Arafat!
Die Palästinenser stehen m.E. nun vor einer Zerreißprobe.

Auf der einen Seite die offiziellen Vertreter, die sich u.U. bei der Postenvergabe gegenseitig und somit vor allem dem Friedensprozess im Weg stehen, auf der anderen Seite die Palästinensergruppen wie Hamas, Fatah, Volksfront zur Befreiung Palästinas u.s.w., die ihrerseits nun um politischen Einfluss kämpfen und jeweils für sich das meiste herauszuholen versuchen.

Die Leidtragenden können dann wieder die Palästinenser werden, die nun aufgrund des von den USA und vor allem Israel lang ersehnten Todes von Jassir Arafat ohne Identifikationsfigur, ohne offiziellen Vertreter da stehen und somit bei zukünftigen Friedensverhandlungen wieder außen vor stehen!

Doch dies muss nicht zwangsweise eintreten.
Sollten sich wider erwartend die diversen Palästinensergruppen aber vor allem die palästinensischen Politiker schnell einig werden und moderatere Töne gegenüber Israel einschlagen, kann- ja dann muss- eine andere Situation eintreten als das von mir geschilderte Horrorszenario.

Und so sehr ich die Palästinenser in ihrer Politik, geht es um einen eigenen, freien aber vor allem unabhängigen Staat Palästina unterstütze, so verurteile ich aber folgende Aussage der Hamas:

Der bewaffnete Kampf gegen Israel geht weiter!

Offenbar soll eine einmalige Chance ungenutzt bleiben.

Das wäre dann allerdings in der Tat das Ende aller Hoffnungen, aber vor allem würde dann Arafats unvollendetes Lebenswerk tatsächlich unvollendet bleiben.

Ob Arafat sich das gewünscht hat?


Andreas Friedrich
Düsseldorf


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