Benefizveranstaltung zum internationalen Solidaritätstag mit Palästina

Benefizveranstaltung zum internationalen Solidaritätstag mit Palästina

Am 27.November 2004 fand in Sankt Augustin eine Benefizveranstaltung zum internationalen Tag der Solidarität mit Palästina statt.

Diesen Tag der Solidarität hatte die UNO-Generalversammlung bereits am 29.November 1974 als offiziellen Solidaritätstag für Palästina eingeführt.

Um 16:00 Uhr begrüßte George Rashwami die ca. 200 Gäste.
Anschließend wurde eine Schweigeminute für den verstorbenen Präsidenten Jassir Arafat eingelegt.
Danach stellte George unseren Freund Saad als Moderator vor.


Um 16:10 Uhr leitete Saad die Veranstaltung mit folgenden z.T. sehr nachdenklichen Worten ein:


Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freunde Palästinas, es ist mir eine Ehre, Ihnen heute das Programm unserer Solidaritäts-Veranstaltung vorzustellen. Gott hat es gewollt, dass Sie uns Ihre wertvolle Solidarität für 2 Anlässe ausdrücken, die untrennbar sind: Für Unser besetztes Land Palästina und für unseren verstorbenen Präsidenten Jassir Arafat. Gott sei seiner Seele gnädig.


Liebe Gäste,
dass diese Solidaritäts-Veranstaltung für Palästina hier in dieser herrlichen Stadt Sankt Augustin stattfindet, verpflichtet uns, einigen Freunden zu danken, die trotz massiver Drohbriefe, versuchter Unterdrucksetzung mancher dunklen Kräfte, sich nicht gebeugt hatten und uns diese Lokalität für den heutigen Abend trotzdem zur Verfügung gestellt haben.

Bei 2 eingeladenen hochrangigen Gästen aus der Politik, die eingeschüchtert und mundtot gemacht wurden, gab es leider mehr Erfolg und sie sagten direkt und indirekt ab, obwohl beide bis zu Absage vorgestern (Donnerstag) und gestern (Freitag) ihre Teilnahme mit einer Rede zugesagt hatten.

Die Meinungsfreiheit in Deutschland, die Unterstützung für Demokratie und das Rückkehrrecht für Flüchtlinge, aber auch das ganze Völkerrecht, meine Damen und Herren, hören komischerweise immer dann auf, so bald Israels Politik kritisiert wird.

Offenbar fallen die Palästinenser nicht unter diejenige Gattung Mensch, denen Menschenrechte zustehen und wo das Völkerrecht angewandt werden muss!

Das Wort „Freiheit und Frieden für Palästina“ in den Mund zu nehmen, unterlassen viele Politiker und Journalisten aus Selbstzensur, um nicht den Verleumdungen dieser besagten Kräfte und deren Antisemitismus-Keule zu unterliegen.

Weil die hier lebende Palästinenser den internationalen Solidaritätstag für Palästina in Deutschland beleben, um die Welt auf das Leiden der Palästinenser unter der brutalen israelischen Besatzung, friedlich aufmerksam zu machen, bekommen einige Personen von uns und unseren Freunden seit Wochen Drohungen und böse E-Mails.

Ich muss Ihnen nicht sagen, wer der/die Absender ist/sind.



Die Freundschaft zu Israel schließt die Kritik an Israel und deren Besatzungspolitik nicht aus und die Freundschaft zu uns Palästinensern bedeutet noch lange keine Feindschaft zu Israel.

Unter Freunden muss man auch Kritik üben dürfen, so dachten wir zumindest!

Wir freuen uns jedenfalls auf Ihre Teilnahme und hoffen weiterhin auf Ihre mutige Unterstützung und Zivilcourage.


Liebe Gäste,

Über die Beziehung jedes Palästinensers mit seiner besetzten Heimat sagte die verstorbene bekannte alte Dame aus Nablus: Die Dichterein Fadwa Toukan im Gedicht:


In ihrem Schoß

Auf ihrer Erde möchte ich sterben,

in ihr möcht ich begraben sein,

unter ihrem Boden schmelzen und vergehen

und als Grashalm wieder auferstehen,

als Blume auferstehen,

berührt von eines Kindes Hand,

das aufgewachsen in meinem Land.

Es genügt mir, zu bleiben in meiner Heimat Schoß

als Erde,

als Blume,

als Gras.


Ich möchte darauf hinweisen, dass Sie nach den 3 Vorträgen die Möglichkeit haben an die Referenten Kurzgefasste, sachlich formulierte Fragen zu stellen und mitzudiskutieren.


Verehrte Gäste,

Eine andere weltbekannte Dame und Friedenskämpferin ist unsere erste Referentin.


Von 1949 -1990 lebte Sie in Israel und sah mit eigenen Augen wozu die israelische Besatzung fähig war. Als Anwältin, Humanistin und eine der ersten Friedensaktivisten in Israel verteidigte sie als palästinensische politische Gefangene in israelischen Gefängnissen. Aus Protest gegen die völkerrechtswidrige israelische Besatzung und Justiz wanderte sie 1990 nach Deutschland aus. Als erfolgreiche Autorin schrieb sie viele Bücher über den israelisch-palästinensischen Konflikt und engagierte sich ununterbrochen für Frieden und Versöhnung zwischen beiden Völkern. Der alternative Friedens-Nobelpreis ist nur eine von vielen weltweiten Anerkennungen für ihren Einsatz, mit dem Frau Felicia Langer verehrt wurde.

16:20 Frau Felicia Langer und der Vortrag: „Bringen Siedlungen und Mauerbau Israel den Frieden?“

Frau Langer berichtete eindringlich über ihre Erfahrungen mit der Trennmauer in Palästina und über den Siedlungsbau innerhalb der besetzten Gebiete. Frau Langer wies auf die UN-Resolutionen hin, die Israel bewusst ignoriert, missachtet und dafür von der westlichen Welt, insbesondere den USA und Deutschland, politisch aber vor allem finanziell unterstützt wird.

Das Fazit von Frau Langer: Für einen gerechten Frieden müssen der Gazastreifen und die Westbank von Israel freigegeben und die illegalen jüdischen Siedlungen geräumt werden.




Die Sehnsucht der Palästinenser nach Gerechtigkeit und Frieden, drückt es unser bekannter palästinensischen Dichter Mahmoud Darwish in seinem Gedicht “Ausweis“ wie folgt aus:

Schreib auf!
Ich bin Araber,
Ausweisnummer fünfzigtausend,
acht Kinder,
das neunte …es kommt nach dem Sommer!
Macht dich das zornig?

Schreib auf!
Ich bin Araber,
ich placke mich ab wie meine Gefährten im Steinbruch,
ich habe acht Kinder,
für sie zieh ich das Stückchen Brot
Hefte und Kleider
aus dem Stein:
Ich bettel nicht um Almosen vor deiner Tür
und mach mich nicht klein
auf deiner Schwelle
Macht dich das zornig?

Schreib auf!
Ich bin Araber,
ich habe einen Namen ohne Titel,
ich bin geduldig in einem Land,
wo jeder schon vor Zorn entbrannt.

Meine Wurzeln..
Sie wuchsen fest noch vor der Zeit,
vor Ablauf der Zeitalter,
noch bevor man das Gras abgeweidet.
Mein Vater …er stammt von Fellachen,
nein, nicht von noblen Herrn,
und mein Großvater war Bauer
ohne Besitz .. und ohne Ahnentafel!
Mich hat er die Größe der Sonne gelehrt noch vor dem Lesen.
Mein Haus ist eine Hütte
aus Schilfrohr und Pfählen.
Würde dir meine Wohnung gefallen?
Ich habe einen Namen ohne Titel!

Schreib auf!
Ich bin Araber,
ich habe schwarzes Haar
und blaue Augen.
Mich erkennt man:
am Kopfband über der Kufieh
und meine Hände sind hart wie Stein..
Wer sie anfasst, trägt eine Spur davon.

Meine Anschrift:
Ich wohne in einem abgelegenen … vergessenen Dorf.
Die Straßen haben keinen Namen dort
Und alle Männer...sind auf dem Feld und im Steinbruch.
Macht dich das zornig?

Schreib auf!
Ich bin Araber.
Du hast die Weinberge meiner Großväter geraubt
Und das Land, das ich bebaut,
ich und alle meine Kinder.
Du hast uns …und meinen Enkeln nichts gelassen
als diese Steine ..
Wird auch die uns … wie man sagt … deine Regierung nehmen?

Also!
Schreib auf .. oben auf der ersten Seite:
Ich hasse die Menschen nicht
und herrsche über andre nicht,
aber ………… wenn ich Hunger leide,
werd ich das Fleisch meiner Peiniger essen.
Vorsicht … Vorsicht .. vor meinem Hunger
und vor meinem Zorn !!



17:05 Herr Professor Dr. Dr. Sami Hussein kommt zu uns aus Hannover, ist hauptberuflich Neurochirurg und ist Vorsitzender der palästinensischen Gemeinden in Deutschland. Eigentlich unser Gastgeber als Veranstalter. Er referiert heute über “die Friedensperspektiven in Nah-Ost aus palästinensischer Sicht und die Erwartungen der Palästinenser an Deutschland und die Deutschen“

Herr Hussein berichtete von den Erfahrungen, die er mit den Palästinensern in Deutschland, aber auch in Palästina hat. Die Menschen erwarten von Deutschland eine politische aber vor allem moralische Unterstützung, da gerade die deutschen aus ihrer Geschichte gelernt haben (müssten). Menschenrechtsverbrechen, Vertreibungen, Unterdrückung- all das sollte in Deutschland kritisiert und vor allem von Deutschland aus verhindert werden- auch im Falle Israels!

Herr Hussein sagte aber auch, das die Palästinenser ihren Beitrag leisten müssen. Sie dürfen die Verantwortung nicht weitergeben, sondern müssen ihrerseits alles unternehmen, damit ihre Ziele, aber vor allem ihre Rechte auch in Deutschland Gehör finden.

In Palästina wie im Ausland.



17:30 Unser nächster Gast schreibt über den Nahen Osten, engagiert sich für den Frieden und die Freiheit Palästinas. Verärgert von den meisten deutschen Medien, die das Leid der Palästinenser den Bürgern vorenthalten, bei der Kritik an die israelische Besatzung die Samthandschuhe anziehen, aus Angst vor der geschwungenen Antisemitismuskeule und den Druck mancher Institutionen, baute er eine informative, aber vor allem auch kritische News- Seite über den Nahen Osten auf.

Herr Andreas Friedrich aus Düsseldorf, von http://www.Profi-Reporte.de und den Vortrag über „die Rolle der deutschen Medien im Israel-Palästina-Konflikt.

Der Vortrag deckt sich z.T. mit den Informationen, die auf dieser Seite stehen!

Um 17:50 begann eine sehr rege Podiumsdiskussion, es wurden vor allem viele Fragen an die Referenten gestellt. Das Publikum zeigte sich mehr als zufrieden

Um 18:30 richtete Saad folgende Worte an die Gäste:

Liebe Gäste,
der politische Teil unserer Veranstaltung ist hiermit beendet.

Bis 19:00 geht die Pause, in der Sie vor der Aula essen und trinken können, palästinensische Spezialitäten günstig und für einen guten Zweck genießen können. Danach um 19:00 beginnt der heiß erwartete Kulturteil mit etwas weniger Politik. Viel Spaß und guten Appetit beim Essen und Trinken!





Die Moderatorin für das kulturell Programm übernahm Frau Nadja Affoneh/ Studentin aus Köln


Um 19:00 Uhr hielt Bernd Klagge ein kurzes Grußwort. Bernd Klagge ist Vorsitzender des Koordinationskreises:

“Stoppt die Mauer in Palästina“ deutschlandweit bekannt durch seine Jahrelange Arbeit in der Friedensbewegung, im Bonner Friedensbündnis und Kompetenz im Palästina-Israel-Konflikt.


19:10 Uhr: Amal Rifai/ eine palästinensische Schülerin und Odelia Ainbinder /eine israelische Schülerin, beide aus der faktisch geteilten Stadt Jerusalem, also aus zwei verschiedenen Welten. Amal gehört einem unter Besatzung stehenden Volk an und Odelia gehört zu Ihren Besatzern.

In der folgenden Lesung aus dem Buch "Wir wollen beide hier leben. Eine Schwierige Freundschaft in Jerusalem" wurde ein Briefwechsel und Gespräch zwischen Amal und Odelia dokumentiert, zwei Jugendlichen aus Jerusalem. Das Besondere dabei: Amal ist Palästinenserin aus Ost-Jerusalem, während die Israelin Odelia im Westteil der Stadt zu Hause ist. Beide leben also in verschiedenen kulturellen Welten - und sind trotz den herrschenden Realitäten und ihren Zugehörigkeiten zu einem besetzten Volk und einem Besatzer-Volk befreundet. Die Lesung aus dem Buch der deutschen Journalisten Sylke Tempel, von unseren zwei Abiturientinnen des Rhein-Sieg-Gymnasiums



Wir wollen beide hier leben. Eine schwierige Freundschaft in Jerusalem“


Dialog


Odelia: Ich sitze in meinem Zimmer in Kfar Saba, einer kleinen Stadt zehn Kilometer nordöstlich von Tel Aviv. Es ist mitten in der Nacht und ich bin sehr müde aber auch glücklich denn das ist der Beginn eines neuen Lebens. Ich habe die Schule abgeschlossen, bin aus meinem Jerusalemer Elternhaus ausgezogen und habe meinen „community service“ begonnen –so eine Art freiwilliges Jahr, dass man vor der Einberufung in den Armeedienst leisten kann.


Mein größter Wunsch ist es, Schauspielerin zu werden. Genauer gesagt bin ich Schauspielerin – ich habe schon in einer Reihe von Theaterstücken mitgespielt – und will eine professionelle Schauspielerin werden. Ich träume davon, jeden Abend auf einer Bühne zu stehen. Selbst wenn ich dafür nur einen Hungerlohn bekäme, wäre mir das egal.


Ich frage mich, ob auch Amal all die Möglichkeiten hat, die ich habe, oder ob sie sich schwerer tut, weil sie eine Art Fremde in ihrem eigenen Land ist – in einem Land namens Israel, unter einer Flagge mit dem Davidstern, der ihr als Symbol völlig fremd ist.


Fühlt Amal sich hier zu Hause oder fremd? Einerseits ist oder war es ihr Land, zu mindest meiner Meinung nach. Aber es ist auf jeden Fall auch mein Land, und Amal lebt nur fünf Minuten von meinem Elternhaus entfernt.


Amal: Es klingt vielleicht etwas ungewöhnlich, aber es war mein Traum Polizeikommissarin zu werden. Das ist ein Traum, der nicht wahr werden kann. Es gibt arabische Polizisten, nämlich Palästinenser, die die israelische Staatsbürgerschaft besitzen und vor Allem im Norden Israels leben. Aber ich bin keine israelische Staatsbügerin, und außerdem ist es nicht leicht für ein arabisches Mädchen, ihr zu Hause zu verlassen und woanders zu leben, wo sie keiner kennt und wo sie keine Verwandten hat.

Vor ein paar Monaten lernte ich den Freund eines Freundes kennen. Im Juli hielt er um meine Hand an. Ich hatte gar nicht vor, so früh zu heiraten und auch mein Vater wollte es eigentlich nicht. Er hat immer gesagt, dass ich zuerst eine gute Ausbildung machen soll. Unsere Tradition schreibt vor, schnell zu heiraten, wenn man erst einmal verlobt ist.


Ich habe die Schule mit dem israelischen Bagrut abgeschlossen. Dies entspricht dem deutschen Abitur. Tatsächlich bieten nur wenige arabische Schulen ihren Schülern die Möglichkeit, das Bagrut zu machen. Ich habe mich für das Bagrut entschieden, weil es mich viel besser auf eine berufliche Laufbahn in Israel vorbereitet.


Ich hätte liebend gern Jura studiert. Ich bin eine harte Arbeiterin, habe viel Energie und bin ein großer Fan von Ally McBeal. Die ist echt clever und gescheit. Aber dieser Weg ist mir versperrt, weil ich im Test nicht gut genug abgeschnitten habe. Deshalb hat meine Mutter mir geraten, Sonderpädagogik zu studieren, und zwar auf einem israelischen College in Jerusalem, auf das viele arabische Mädchen hier gehen.


Oft bin ich sehr neidisch auf die Israelis. Sie haben so viel mehr Möglichkeiten als wir, sie sind reicher und können ihre Kinder auf die Unis schicken und sogar ins Ausland. Ich kann nicht so leben wie sie. Überall wo ich hinsehe, gibt es Beschränkungen. Als ob mir jemand damit sagen wollte: Das ist dein Platz, verlass ihn nur nicht. Den Israelis sagt keiner, was sie zu tun haben. – Dies ist zwar mein Land, aber nicht mein Staat.


Odelia: Liebe Amal, ich habe noch ein ganzes Jahr Sozialdienst vor mir, und danach kommen erst mal zwei Jahre in der Armee, und außerdem will ich ja unbedingt eine Schauspielschule besuchen. Ich hoffe so sehr, dass ich aufgenommen werde.


Wenn es mit der Schauspielerei nicht klappen sollte, dann kann ich immer noch irgendetwas nicht so Aufregendes studieren und einen normalen Beruf ausüben. Aber mit 18 habe ich doch wohl das Recht an meine Träume zu glauben, oder?

Ich glaube, ich will noch lange nicht heiraten, und wenn, dann möchte ich mit dem Mann vorher erst mal eine Weile zusammen leben. Mann muss doch herausfinden, wie jemand ist.


Amal: Liebe Odelia, wir sind eine Familie, die ihre Traditionen und ihre Religion im Ganzen sehr schätzt. Ich mag meine Religion wirklich sehr. Sie achtet den Menschen. Sie verlangt vor dem Menschen Respekt für Andere, und damit respektiert man auch sich selbst. Ich bin nicht verpflichtet ein Kopftuch zu tragen, was ich auch nicht tue, jedenfalls jetzt nicht. Aber es ist mir nicht erlaubt Miniröcke, Shorts oder ärmellose Blusen anzuziehen. Denn mein Körper ist nur für mich und nicht dazu da , ihn zur Schau zu stellen.


Odella: Liebe Amal, ich hoffe, dass es einen Palästinensischen Staat geben wird. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, dass das wirklich eines Tages passiert, weil eine ganze Menge Leute dagegen sind. Aber ich hoffe trotzdem, dass du deine Staat bald bekommst und dass es dann einfacher für dich ist und du dich besser aufgehoben fühlst und dass du dann nicht mehr diese ganzen blöden Probleme am Flughafen und an den Grenzen hast. Denn die sind wirklich unerträglich. Ich hoffe also sehr, dass du eines Tages bekommst was du dir wünschst.


Jetzt ist wieder Krieg. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, wie alles begann, aber ich weiß noch, dass meine Mutter und ich zum Schuhe -kaufen in die Jerusalemer Altstadt fahren wollten, weil es dort so günstige Schuhe gibt. An jenem Samstag sind wir nicht gefahren, weil gerade am Vortag die Demonstrationen auf dem Tempelberg bzw. dem Haram Al –Sharif begannen. Okay, dachten wir, es wird bald wieder vorbei sein, fahren wir also nächste Woche. Aber wir fuhren weder die nächste Woche noch die Woche darauf. Tatsächlich sind wir seit dem kein einziges Mal wieder in der Altstadt gewesen. Der Beginn der Intifada ist für mich der Tag, an dem meine Mutter und ich keine Schuhe kaufen konnten...


Amal: Liebe Odelia, ja, kurz nachdem wir aus der Schweiz zurückkehrten begann die Intifada. „Intifada bedeutet im Arabischen das „Loswerden“ einer schlimmen Herrschaft, die ihr Bestes tut, Menschen zu kontrollieren, willkürlich umzubringen oder deren Besitz zu zerstören. „Intifada“ heißt, dass einem gar keine andere Wahl bleibt, als sich gegen eine solche Herrschaft zu erheben.


Wie jeder Palästinenser fühle ich in mir die Wut wie eine Flamme. Ich habe das Gefühl, dass ich alles, was ich mir erträume, tief in mir drin begraben muss. Dass ich niemals das machen kann, was ich mir für mein Leben wünsche, solange diese Situation andauert. Kann mir bitte jemand sagen, wann das endlich vorbei ist, wann, wann, wann???


Odelia: Ich verstehe, wenn sich einer fragt:“Warum soll ich mich nicht in die Luft sprengen und ein paar Israelis mitnehmen, wenn ich sowieso nichts zu essen und kein Dach über dem Kopf habe? Wenn ich mich an nichts freuen kann und hilflos bin?“ Aber ich verstehe nicht, warum die Leute ihren Kindern immer noch beibringen, dass das gut ist.


Ich weiß nicht, ob man in palästinensischen Schulen auch Toleranz und die Achtung vor anderen Menschen lehrt. Aber ich finde, dass man den Kindern nicht beibringen darf, nur zu kämpfen. Und dass man ihnen nicht sagen darf, es seit toll, ein „Märtyrer“ zu werden und sich in die Luft zu sprengen. Sie sollten doch eher versuchen, diesen komplizierten Konflikt und die jetzige komplizierte Situation zu verstehen und zu begreifen, dass hier nicht alles schwarz und weiß ist. Vielleicht könnte das dazu führen, dass man zu gewaltfreien Mitteln des Widerstandes greift.

Gewalttätiger Widerstand wird nichts weiter bewirken als eine gewalttätige Reaktion. So sehe ich das. Seit fünfzig Jahren stecken wie in demselben Krieg fest. Und seit zwei Jahren in diesem blöden mazav, dieser Situation, die nicht enden will, da auf Gewalt immer wieder mit Gewalt geantwortet wird. So funktioniert das nämlich hier.


Amal: Liebe Odelia, ich weiß, dass es in der Palästinensischen Führung all diese Probleme mit Korruption gab. Was das betrifft, denke ich mir meinen Teil. Jassir Arafat wagte es doch niemals, den Israelis zu widersprechen. Das trieb die Leute in den Wahnsinn. Als er im Sommer 2000 nach Camp David fuhr, musste er etwas unternehmen. Er musste seinem Volk zeigen, dass er nicht alles akzeptierte, was die Israelis und die Amerikaner von ihm forderten. Deshalb sagte er „Nein“ zu den Angeboten von Camp David.


Odelia: Liebe Amal, nach diesem Brief war ich wirklich ein wenig frustriert. Die ganze Zeit versuche ich, dir einen anderen Standpunkt zu zeigen und zu erklären, dass es wirklich nicht nur die Israelis sind, die immer alles falsch machen. Selbst wenn es ein Großteil der ausländischen Medien so sehen will.


Wie findest du eigentlich Jerusalem, Amal?


Ich liebe diese Stadt. Sicher ist das momentan wegen all der Bombenattentate ein bisschen schwieriger. Aber sonst ist Jerusalem recht relaxed. Vor dem Krieg kamen ziemlich viele Besucher hierher, nicht nur aus religiösen Gründen, sondern uch einfache Touristen. Obwohl es Jerusalem in dieser Hinsicht vielleicht nicht gerade mit Paris oder London aufnehmen kann.


Aber mit all den Attentaten dürfte Jerusalem wohl die am wenigsten langweilige Stadt der Welt sein.


Amal: Liebe Odelia, auch ich mag die Jerusalemer Altstadt sehr. Ich liebe es, auf den Stadtmauern herumzulaufen und zum Freitagsgebet auf den Haram AL – Scharif zu gehen. Das ist wirklich aufregend. Es ist beeindrückend, die vielen Menschen aus all den verschiedenen Landesteilen zu sehen. Wenn man in einer solchen sternklaren Nacht unter dem Himmel von Al-Quds betet, dann fühlt man sich Gott wirklich nahe.


Lina Mahmud und Sonja Karasch




Um 19:30 Uhr bot die palästinensische Gruppe Al-Quds Dabka-Tänze und Folklore aus Palästina

Um 20:00 Uhr trat das palästinensische Künstlerduo Samir/Oud auf. Das Duo bot Gesang und begeisterte die Gäste.

20:30 Uhr: Die Kölner Gruppe Emeralds mit irischer Folklore bringt uns kulturell und gedanklich nach Europa zurück

21:00 Bühne frei für die jüdische Gruppe Jontef mit Michael Langer und Joachim Günter. Das Duo Spielt das Musical „Weiber, Wahnsinn und Dämonen“. Hier muss ich nicht sagen, dass Herr Michael Langer der Sohn von Frau Felicia Langer ist und genauso für den Frieden, gegen die israelische Besatzung und für die unterdrückten Palästinenser eintritt. Die Teilnahme und Solidarität der Gruppe Jontef ist ein echter Friedensbeitrag.

Das Ende der Veranstaltung war gegen 21:45 Uhr!

Liebe Freunde Palästinas, verehrte Gäste,

zum Schluss danken wir Ihnen, den Weitgereisten Referenten, den Künstlern und Schülerinnen des RSG für die Anwesenheit, Beiträge und Solidarität. Wir hoffen weiterhin auf Ihre Unterstützung für unseren gerechten, friedlichen Kampf um Freiheit, Rückkehrrecht und einen eigenständigen demokratischen Staat Palästina.

Ich wünsche Ihnen im Namen der Veranstalter eine gute Heimfahrt.

Der Originalbericht ist von Saad, diese Presserklärung schrieb Andreas Friedrich, Düsseldorf



Reaktionen




Dr. Izzeddin Musa
53343 Wachtberg,
Am Bonner Graben 19
03.12.2004


Herrn
Dr. Bernhard Vogel
Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
Rathausallee 12

520 Sankt Augustin



Sehr geehrter Herr Dr. Vogel,

Am Dienstag, 30. November 2004, habe ich an einer Tagung in Ihrer Stiftung (Bildungszentrum Eichholz) "Israel und die arabischen Staaten.
Der schwierige Weg zum Frieden in Nahost" teil genommen. Was ich dort erleben durfte, hat mich zu tiefst irritiert und schockiert. Glaubte ich bisher, das Ihre Stiftung sich einer objektiven, pluralistischen
auf Ausgleich zielenden politischen Bildung verpflichtet fühlt, wurde ich durch zwei Referenten eines Besseren belehrt. Es ging Herrn Dr. Jochen Müller und Herrn Matthias Küntzel bei ihren Vorträgen nicht um sachliche Information, sondern um Agitation und Hetzpropaganda. Beide Vorträge zeichneten sich durch extreme Einseitigkeit, Falschinformationen und Diffamierungen des Islam und der Araber im Besondern aus. Sie waren nicht informativ, sondern förderten eher Desinformation und Vorurteile; somit dienten sie letztendlich der Anstachelung von antiarabischen Gefühlen, insbesondere mit Zielrichtung Palästina. Selbst der deutsch-palästinensische Referent, Herr Dr. Hajjaj, verwahrte sich gegen eine solche einzigartige herabwürdigende Einseitigkeiten.

Beide Referenten gelten unter Insidern als unseriös, dies hätte eigentlich Ihrer Stiftung und dem Veranstaltungsleiter, Herrn Dr. Erler, bekannt sein sollen. Ein Blick ins Internet hätte genügt. Die Schriften von Küntzel sind einschlägig bekannt; er tritt gewöhnlich nur bei extremistischen Gruppierungen wie den Antideutschen, Honestly Concerned und anderen unseriösen Organisationen auf, die gegen Araber und Muslime in der arabischen Welt hetzen. Warum hat Ihre Stiftung ihm eine solches Podium verschafft? Der Repräsentant von MEMRI (Middle East Media Research Institute, Berlin), Herr Dr. Müller, vertritt eine Organisation, deren Gründer, Oberst Yigal Carmon, ein ehemaliger Chef des israelischen militärischen Geheimdienstes, sich immer für Besatzung und Unterdrückung des palästinensischen Volkes öffentlich stark gemacht hat. Von Carmon ist öffentlich nichts überliefert, was auf einen friedlichen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinenser hindeutet.
Ziel und Arbeit von MEMRI ist es, Kommentare aus arabischen Zeitungen mit einem verfälschenden und verstärkt antiarabisch-isalmischen Tenor für die westliche Öffentlichkeit zu übersetzen. Wie unseriös MEMRI ist, zeigt sich auch daran, dass sich die Organisation zusammen mit anderen extremistischen Organisationen wie Honestly Concerned, "die Jüdische" aus Österreich und anderen an einer Hetzkampagne gegen die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse beteiligt haben. Selbst die Staatsanwaltschaft Frankfurt konnte keine "antisemtischen" Werke bei den arabischen Ausstellern finden. Herr Neumann, der Chef der Buchmesse, wurde in ehrabschneidender Weise diffamiert. Und mit solchen Organisationen und Personen arbeitet Ihre Stiftung zusammen und erhält dafür auch noch öffentliche Steuermittel.

Sehr geehrter Herr Dr. Vogel, ich hoffe, Sie werden dafür Sorge tragen, dass Ihre Stiftung nicht nur einen Beitrag zur friedlichen Beilegung des Nahostkonfliktes leisten will, sondern sich auch für einen Ausgleich zwischen Muslimen, der arabischen Welt und Europa, insbesondere Deutschlands einsetzt. Diesem Ziel fühlten sich die beiden Referenten bestimmt nicht verpflichtet, da sie durch ihre einseitige Propaganda und wahrheitswidrige Verzerrungen über die arabische Welt neue Gräben in Form übelster Vorurteile ausgehoben haben.

Als Deutsch-Palästinenser bin ich bisher davon ausgegangen, dass Tagungen von politischen Stiftungen mit Mitteln des Steuerzahlers finanziert, der politischen Ausgewogenheit dienen sollten. Ich wurde aber durch diese Veranstaltung eines Besseren belehrt. Ich erlaube mit deshalb, dieses Schreiben nachrichtlich an folgende Personen und Institutionen weiterzuleiten. Ich hoffe, dass sich dieser Missbrauch von Steuergeldern in Zukunft in Ihrer Stiftung nicht mehr wiederholen wird.


Mit freundlichen Grüßen

Dr. Izzeddin Musa


Nachrichtlich an:
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
Bundesinnenminister Otto Schily
Bundestagsabgeordnete
Vorsitzender des Finanzausschusses
Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung
Presseorgane
Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Friedrich-Naumann-Stiftung e.V.
Rosa-Luxemburg-Stiftung e.V.


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